Vererbung von Fellfarben und Haarstruktur
Copyrigth by Hermann Böhm
Die Fellfärbung ergibt sich durch das Wirken mehrerer Farbzonen des Deckhaares. Es sind für jedes Haar 3 bis 4 Zonen vorhanden, wobei die Unterfarbe meist 2/3 der Haarlänge ausmacht; Zwischen- und Deckfarbe folgen. Beim Wildkaninchen ist die Unterfarbe Dunkelblau, die Zwischenfarbe Gelbbräunlich und die Deckfarbe zeigt schwarze, braune und gelbliche Haarspitzen. Die Pigmentierung einzelner Farbzonen kann durch Mutationen beeinflußt werden, so daß sich die Gesamtfärbung des Felles mitunter entscheidend verändert.
Die für die Rasse oder Farbschlag typische Fellfärbung oder -zeichnung entsteht beim Kaninchen durch Zusammenwirken mehrerer Gene. Für die Fellfarbe des wildgrauen Kaninchens gilt die Erbformel ABCDG/ABCDG, wobei die Allele jeweils zu gleichen Teilen von den beiden Eltern auf die Nachkommen weitergegeben werden (sind die Allelreihen gleicher Zusammensetzung, wird wegen leichterer Lesbarkeit meist nur eine der beiden vermerkt). Es können bei anderen Farbschlägen noch modifizierende Erbanlagen hinzukommen, wie weiter unten erläutert wird. Ins gesamt folgt die Vererbung der Fellfärbung den Mendelschen Regeln.
Die folgende Übersicht gibt darüber Aufschluß, welche Bedeutung die fünf Erbanlagen ABCDG für Fellfärbung haben.

A - Allel für Pigmentbildung; a - pigmentlos ( wenn momozygot, werden Wirkungen anderer Farballele unterdrückt; somit aa - Albino)
G - Pigmentverteilung auf dem Haar (Zonenbildung), keine Zonenbiildung, einfarbig (gg - schwarz)
D,C,B - Allele für Pigmentbildung; d,c,b bewirken Aufhellung der Farben ( von d bis b zunehmend)

Auch die Haarstruktur wird bei Kaninchen durch mendelnde Gene vererbt. Außer dem Normalhaar sind Langhaar (allel v), Kurzhaar (Allel rex, dek, nok) und Seidenhaar (Satin, Allel sa) von Bedeutung.

Kurzhaar trat als Merkmal 1919 in Frankreich auf (Castorrex).

Der Langhaarfaktor (Allel V) ist bekannt durch das Angorakaninchen. Es gibt unterschiedliche Auffassung zu der Frage, ob auch das Fuchskaninchen dieses oder ein anderes Allel für Langhaarigkeit trägt. Das rezessive Allel v ist Ursache dafür, daß die Nachzucht (F1) aus der Paarung von Angora- und normalhaarigen Kaninchen (Allel V) stets normalhaarig ist (in diesem Fall spalterbig; V/v).

Das Satinkaninchen, Anfang der dreißiger Jahre in den USA entstanden, hat mit seinem Seidenhaar großen Anklang gefunden. Auch diese Mutation wird ressesiv vererbt (Allel sa), wie bereits 1936 ermittelt wurde.
Copyrigth by Hermann Böhm
Copyrigth by Hermann Böhm